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Musical-Kritik

"Bonifatius" oder Im Trüben der Fulda

Fulda (zeta) - Ab und an sind theologische Inhalte, die Fulda und seine Geschichte betreffen, flach wie die Fulda-Auen. Bei dem Musical "Bonifatius" ist es der Fall. Der gebürtige Fuldaer Zeno Ziegelmann hat dafür das Buch geschrieben. Uraufführung war 2004 in Fulda gewesen. Im August dieses Jahres wurde das Musiktheater erneut in einer Neuinszenierung vorm Fuldaer Dom präsentiert.


Es gibt beim Thema Flachheit allerdings noch eine Steigerung, wenn man das Ende des Musicals betrachtet. Beschworen werden dort ein Glaube an sich selbst und eine Fähigkeit zu glauben.

Hier bekommt die theologische Flachheit eine Beschaffenheit wie die Oberfläche des Fuldaer Aue-Weihers bei absoluter Windstille.

Impressionannt stellt Reinhard Brussmann den Bonifatius (etwa 674 bis 754 n.C.) in der Neuinszenierung dar. Der Missionar aus dem südenglischen Wessex brachte die christliche Botschaft zu vier Völkern in Mitteleuropa. Er gilt als "Apostel der Deutschen". Seine Grabstätte liegt im Fuldaer Dom. Die Botschaft des Bonifatius gründet auf das Evangelium seines Vorbilds Apostel Paulus und die Bibel.

Jedoch haben weder Paulus noch die Schrift den Glauben wie in dem Musical als eine Fähigkeit beschrieben. Zudem verkündete Bonifatius den Menschen nicht einen Glauben an sich selbst, sondern an den dreifaltigen Gott, an Jesus Christus.

Dass der Name Jesus Christus bei der Musical-Aufführung nicht vorkommt, spricht für sich. Jesus als der Gekreuzigte und Auferstandene, der sein Leben für die Versöhnung von Gott und Mensch und für ewiges Leben der Menschen gibt - mit solch namentlicher Konkretion würde man einen großen Teil eines Musical-Publikums verprellen, wissen die Musical-Macher. Jesus ist seit seiner Geburt ein Störfaktor auf dieser Erde. Dessen sind sich auch Ziegelmann und Co. bewusst.

Es gibt in dem Musical inhaltlich ebenfalls positive Momente. Etwa dass der christliche Glaube eine Befreiung von den unmenschlichen Unbilden anderer Religionen und deren Umgang zum Beispiel mit Frauen bringt, gehört zum Inhalt.

Auch machen Ziegelmann und Co. an den Ufern der Fulda Schwemmmaterial gut, wenn sie einen der beiden bedeutendsten Bonifatius-Biographen des Mittelalters, den Priester Willibald (Alexander von Hugo), als Erzähler auftreten lassen.

Aber eben diesem Willibald jubeln Ziegelmann und Co. die Aussage unter, Bonifatius habe kein Denkmal sein wollen, sondern "einer von uns".

Gegenrede: Klar wollte Bonifatius für Denken und Glauben der Menschen Denkmal sein. Aber keiner der Kategorie Ziegelmann und Co.

Selbst der Musical-Bonifatius gibt von fehlendem Hintergrund der Musiktheater-Macher Aufschluss, als er sinngemäß von "Gott oder wie man ihn nennen mag" spricht.

Oder wie man ihn nennen mag? Bonifatius' Gott ist kein Gott einer Beliebigkeit. Er ist unverwechselbar. 

Hinzu kommt im Musical und seiner Fuldaer Neuinszenierung frei flottierendes Treibgut wie eine rebellische Lioba (Anke Fiedler), die Bonifatius den Bart stutzen will.

Eher auszuhalten, wenn man auf der Pauluspromenade vor der Aufführung ein paar Gläser Wein und nicht nur alkoholfreies Hochstift genossen hat: ein bei der Aufführung korpolierend dargestellter Bischof Gewilip (Frank Winkels). Wie anschaulich. Offenbar wollten Komödiant Ziegelmann, Regisseur Stefan Huber und Co. dem Pubikum bedeuten, dass es doch endlich verstehen soll.

Bonifatius' Lieblingsschüler Sturmius (Friedrich Rau) bekommt in dem Musical von einer Geliebten namens Alrun (Judith Jandl) das Hemd vom Leib gerissen, bevor beide im Liebesnest versinken. Auch das ist frei flottierendes Treibgut.

Inhaltliche Unschärfen wie beim angeblichen Komplott des abgesetzten Bischofs Gewilip und des friesischen Herrschers Radbod (Andreas Lichtenberger) für Bonifatius' Ermordung lassen sich noch mit künstlicher Freiheit rechtfertigen. Doch bestehen in dem Musical gravierende inhaltliche Schwächen, die kontraproduktiv in die Irre führen. Dies ruft nach einem neuen, einem anderen Musical "Bonifatius".

Zu Beispiel Johannes Hartl aus Augsburg hätte das Zeug dafür, um Bonifatius Inhalte und Komposition passend und zutreffend auf den Leib zu schneidern. Ohne im Trüben der Fulda zu fischen. (22/8/19, geändert 1/9/19)


1275 Jahre Fulda - Tradition seit Bonifatius, dem "Apostel der Deutschen"

 

Fulda (zeta) - Die Stadt Fulda feiert in diesem Jahr ihr 1275-Jahre-Bestehen. Das Jubiläum geht auf die Gründung des Fuldaer Klosters durch Bonifatius zurück, den "Apostel der Deutschen". Bonifatius' Schüler Sturmius kam am 12. März 744 an den Ort, wo später das benediktinische Kloster entstand.

Der Angelsachse Bonifatius brachte im 8. Jahrhundert den christlichen Glauben aufs Festland in die Regionen von Friesland bis Bayern. Das Fuldaer Kloster entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum theologischer Gelehrsamkeit und Literatur im Mittelalter.

Den Auftakt der Fuldaer Jubiläumsfeierlichkeiten bildete am 12. März ein Konzert. Briefmarkenfreunde freuten sich über einen Sonderstempel der Deutschen Post (obiges zeta-Foto mit einer Briefmarke vom Fuldaer Bonifatius-Denkmal).


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